• Über Sachlichkeit in der Flüchtlingsdebatte

    In letzter Zeit ist viel los in den Nachrichten, in Deutschland, Europa, ja überall auf der Welt. Bürgerkrieg hier, Finanzkrise da, Wirtschaftssanktionen und Freihandelsabkommen. All das sind Themen, die uns natürlich auch im Alltag beschäftigen. Kaum eine Debatte jedoch wird so sehr von Gefühlen und Empfindungen dominiert wie die um richtige Integration, den Umgang mit Flüchtlingen sowie den daraus resultierenden Pflichten und Möglichkeiten. Kein Wunder, bedenkt man, wie bedeutend und weitreichend Entscheidungen sind, die hier getroffen werden. Es muss dabei nicht immer um Leben und Tod gehen. Auch andere Dinge wie der Bau eines Flüchtlingsheims, die Abschiebung oder Aufnahme Asylsuchender oder Kulturdifferenzen in der Gesellschaft sind hochemotional diskutierte Themen.

    Das alles ist in Ordnung. Es ist grundlegender Bestandteil einer Demokratie kontroverse Meinungen zu Kompromissen zusammen zu bringen und verschiedene Standpunkte zu überprüfen, um so am Ende eine möglichst gute Lösung zu finden. Was nicht in Ordnung ist, das ist die Art und Weise, auf die dieser Prozess unterminiert wird.

    162. Mit dieser Zahl antwortete das Bundeskriminalamt auf die Frage der Linkspartei diesen Februar, wie viele rechtsextrem motivierte „Angriffe“ auf Unterkünfte für Asylbewerber im Jahr 2014 gezählt wurden. Das entspricht beinahe einem jeden zweiten Tag. Besonders bedrohlich erscheint diese Zahl, wen man sie mit denen der vorangegangenen Jahre vergleicht. 2012 waren es noch 24, seitdem ist die Anzahl stetig gestiegen. Laut Angaben des Innenministeriums sind es in der ersten Hälfte dieses Jahres bereits 150. Das entspricht beinahe einer Verdopplung. Die Lage spitzt sich unverkennbar zu. Das erkennt man auch immer wieder montags auf den Straßen, wenn die Pegida gegen eine „Islamisierung“ aufläuft. Man erkennt es an immer wiederkehrenden Nachrichten von sinkenden und geretteten Booten im Mittelmeer. Und diese Woche, da hat man es auch in Freital beobachten können. Dort gab es vergangene Woche eine Bürgerversammlung zum Thema Asyl. Doch statt wie Erwachsene über Bedenken und Probleme der Bevölkerung zu reden, wurden Redner ausgebuht, „niedergeschriehen“ oder beleidigt. Solche Vorfälle häufen sich. Sicherlich liegt das einerseits an der immer größeren Anzahl neuankommender Flüchtlinge (hier hatten wir schon darüber geschrieben: http://www.fluechtlingszeit.de/fluechtlingsverteilung/), andererseits auch an zunehmender Akzeptanz für radikale Haltungen. Es wird nun umso wichtiger, dem entgegenzusteuern und wieder ernsthaft über und mit Flüchtlingen über die Lage in Deutschland zu reden. Vorurteile und Vorbehalte gegen Erkenntnisse und neues Wissen auszutauschen. Wir hoffen, auch durch unser Buch einen kleinen Beitrag dazu zu liefern. Denn wie Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich(CDU) vor kurzem sagte: „Wenn Integration richtig gemacht wird, ist es eine enorme Bereicherung und Chance für unser Land“. Es wird Zeit, diese Chance zu ergreifen. Anderen Menschen zu helfen, aber auch uns selbst.

    Quellen:

    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-02/asyl-fluechtlingsheime-uebergriffe-zahl-steigend

    http://www.tagesschau.de/inland/fremdenfeindliche-uebergriffe-101.html

    http://www.mdr.de/nachrichten/freital_versammlung100.html

    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/sachsens-ministerpraesident-stanislaw-tillich-zu-gewalt-gegen-asylsuchende-13694439.html

    http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015-07/stanislaw-tillich-sachsen-rassismus-schande