• Presseartikel: Offene Türen statt verriegelter Außengrenzen: Karlsruher Flüchtlingsprojekte im Kurzporträt

    Von Anke Feistle: Die Kritik an der europäischen Grenz- und Flüchtlingspolitik entflammt mit jedem Schiffsunglück auf dem Mittelmeer neu. Die Situation an Europas Grenzen und der Umgang mit Flüchtlingen muss sich ändern. Doch wie sieht eine menschliche und faire Flüchtlings- und Asylpolitik konkret aus? Welche Angebote gibt es für die Betroffenen? Ein Besuch bei Flüchtlingsprojekten in Karlsruhe soll Antworten auf diese Fragen geben.

    Die Landeserstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (LEA) in Karlsruhe ist die erste Anlaufstelle zur Aufnahme aller Asylsuchenden und Flüchtlinge in Baden-Württemberg.

    „Für 800 Menschen ist die LEA hier in Karlsruhe konzipiert, 1.000 bis 1.200 sind machbar, aber dann ist Schluss“, so der Vorsitzende des „Freundeskreis Asyl“ in Karlsruhe, Christoph Schneller. Obwohl die Flüchtlingszahlen 2014 wegen der politisch und wirtschaftlich immer auswegloseren Situation in vielen Ländern rapide angestiegen sind, ist das Thema Flüchtlings- und Asylarbeit laut Schneller kein neues in der Fächerstadt.

    1996 hat die Stadt auf dem ehemaligen Schlachthofgelände ein Haus gekauft und dort das Menschenrechtszentrum Karlsruhe e.V. eingerichtet. Die Idee: allen in Karlsruhe ansässigen Menschenrechts- und Flüchtlingshilfsorganisationen ein gemeinsames Dach zu bieten. „Medinet und der Verein zur Unterstützung traumatisierter Migranten kümmern sich um das körperliche und medizinische Wohl der Migranten, das mennonitische Hilfswerk bietet Deutschkurse an, außerdem gibt es einen internationalen Jugend- und Kulturverein, die Caritas-Sozialberatung, den Migrationsbeirat, sowie Amnesty International“, erklärt Christoph Schneller. Der Verein „Freundeskreis Asyl“ bietet den Flüchtlingen Rechteberatung an, geht aber auch in Schulen, um die Kinder und Jugendlichen über die Situation der Asylsuchenden und Flüchtlinge zu informieren und aufzuklären. „Dort erfahren wir die gesamte Bandbreite an Reaktionen, die von ablehnendem Desinteresse bis hin zur Frage „Wie können wir konkret helfen?“ reicht“, so Schneller.

    Um konkrete Beschäftigungsmöglichkeiten für Flüchtlinge geht es auch den Initiatoren der Gruppe ZICzac. Die engagierten Studenten des KIT rund um den Projektgründer Julian Treichel spielen seit Januar 2014 samstags mit Flüchtlingskindern Fußball, basteln gemeinsam und geben Sprachkurse. Aus diesem Engagement ist die Idee zu einem Buch entstanden, das, so die Initiatoren des Projekts „Flüchtlingszeit“, Lena Scherer und Leopold Spenner, „die Hintergründe und persönlichen Erlebnisse der Flüchtlinge authentisch wiedergeben sollen.“ „Neben der Überwindung von sprachlichen Hürden müssen wir erst einmal ein Vertrauensverhältnis zu den Menschen aufbauen, bevor sie uns Einblicke in ihr Leben geben und von sich erzählen“, so Scherer. Das Buch soll Ende des Jahres erscheinen und noch mehr Menschen für das Thema Flucht und Migration sensibilisieren. „Einwanderung ist äußerst wichtig für Deutschland. Insbesondere wir als jüngere Generation haben die Aufgabe dafür zu sorgen, dass das Klima gegenüber Einwanderung in Deutschland freundlich ist“, meint Spenner.

    Annette Stepputat, die Migrationsbeauftragte der evangelischen Landeskirche in Baden, stimmt dieser Forderung zu und ergänzt: „Um die Flüchtlinge schnell zu integrieren, müssen die Kommunen bezahlbaren Wohnraum schaffen, so dass keine Ghettos entstehen.“ Karlsruhe ist auf einem guten Weg, da die Spendenbereitschaft von Privatpersonen und das Engagement der Bürgerinitiativen nach wie vor groß seien.

    So unterschiedlich die Angebote in Karlsruhe auch sind, in einem Punkt sind sich alle Initiatoren einig:

    „Es muss einen einheitlichen Zuteilungsschlüssel für Einwanderung in der EU geben, der festlegt, welches Land wie viele Flüchtlinge aufnimmt.“