• Ivo Markovic

    „Gemeinnütziger Arbeiter“ steht auf dem T-Shirt von Ivo Markovic, der mich im Flüchtlingsheim anspricht und mir stolz erzählt, dass seine Tochter morgen das erste Mal in die Schule geht. Er meint den Sprachkurs, den Flüchtlinge in Karlsruhe angeboten bekommen. Er selbst spricht fast perfektes Deutsch. Unglaublich die Geschichte eines Mannes, dessen Familie auf der halben Welt verteilt ist.

    Schon 1995 ist er nach Deutschland vor der serbischen Polizei geflohen. Warum möchte er nicht erzählen. Mit seinen zwei Töchtern und seiner Frau zuerst im Bus nach Belgrad, im Zug nach Budapest und dann irgendwie nach München. Ivo baute sich sein Leben in Deutschland auf. Er fand einen Job als Kfz-Mechaniker und war glücklich in Deutschland. Deutschland sei seine zweite Heimat. „Ich liebe Deutschland mit ganzem Herzen“ verkündet er mit leuchtenden Augen. Trotz allem sei der Kosovo seine Heimat. Dies ist wohl sein Gedanke als er 2000 denkt, die Lage habe sich verbessert und er seine Familie zurück in den Kosovo schickt. Er selbst reist einen Monat später mit dem LKW nach. Doch Ivo irrte sich. Er fand zwar einen Job als Ingenieur für Baumarktmaschinen, doch Korruption und Vetternwirtschaft beherrschen nach wie vor das Land. 2008 wird er gekündigt und er beschließt hochverschuldet das Land erneut zu verlassen. Von seinen vier Kindern lebt die 21-jährige Tochter mittlerweile mit ihrem Ehemann in Schweden. Seine 19-jährige Tochter, die im Kosovo verlobt ist, muss er bei ihrem Verlobten zurücklassen. Seine Frau bleibt ebenfalls, um auf diese aufzupassen. Ivo reist also mit einer weiteren Tochter und seinem Sohn. 2200 Euro kostet die Reise.

    Wie es ihm in Deutschland gefällt? Er schaut mich fragend an. Ob ich wirklich die Wahrheit wissen möchte. Ich nicke. Er gesteht, dass er sich im Flüchtlingsheim nicht wohlfühlt. Seine Religion und Überzeugung verbieten es ihm mit einer fremden Frau in einem Zimmer schlafen. „Auch wenn sie sechs Kinder hat, das geht einfach nicht“.

    Sobald er arbeiten darf und eine eigene Wohnung hat, möchte er seine Frau zurückholen. Dieses Mal will er unbedingt in Deutschland bleiben. Wenn er dürfte würde er sofort arbeiten erklärt Ivo. „Es tut ihm weh“ abhängig zu sein. Er möchte nicht von Steuergeldern finanziert werden. Er ringt nach Worten. Er will „auf eigenen Füßen stehen“. Mit seinen Kindern spricht er nur noch Deutsch. „Sie sollen das auch lernen“ grinst er und verlässt den Tisch.